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Dies nicht nur wegen einer schwächeren Wirtschaftsentwicklung, sondern auch aufgrund eines fehlenden Liberalisierungswillens in den jüngsten Jahren (Weltbank 2019a). Es existieren diverse Hebel, die eine Teil-Liberalisierung des Agrarsektors ermöglichen. Rund 56% der Landwirte sind heute über 50 Jahre alt und würden bei langen Übergangsfristen kaum von einer partiellen Marktöffnung betroffen sein. Auch das Zugestehen eines begrenzten, zusätzlichen Kontingents, zu dem zollfrei in die Schweiz importiert werden kann, ist ein möglicher Weg.

Laufender Handel

Absolut betrachtet ist die Bedeutung des Dienstleistungshandels (200 Mrd. Fr.) aber immer noch um einiges kleiner als diejenige des Warenhandels (450 Mrd. Fr.). In Investitionsschutzabkommen mit Entwicklungsländern berücksichtigt sie stark die Interessen von Schweizer Konzernen und beschränkt damit die Handlungsfähigkeit der Gaststaaten, im öffentlichen Interesse zu regulieren. Diese Abkommen beinhalten einen Streitbeilegungsmechanismus durch Schiedsverfahren, der ausländische Investoren stark bevorteilt. Die veränderte Charakteristik des Handels betrifft im gleichen Ausmass auch die Ausgestaltung der Wirtschaftsbeziehungen zur EU. Eine Erweiterung und Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen sind auch hier entscheidend.

Wandel im Handel

Als kleine, offene Volkswirtschaft kann sie nicht mit einem aufstrebenden Land wie China oder einem grossen Binnenmarkt wie den USA verglichen werden. Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der Europäischen Union sieht vor, den Import der umweltschädlichsten Produkte zu besteuern. Obwohl die ärmsten Länder dadurch stark benachteiligt werden, ist für sie keine Ausnahme vorgesehen. Sollte die Schweiz das Abkommen eines Tages übernehmen, muss sie für eine Korrektur sorgen. Alliance Sud und Public Eye haben die Handels- und Menschenrechtsexpertin Caroline Dommen mit der Analyse der Ex-ante-Nachhaltigkeitsprüfung (SIA) des SECO zum Freihandelsabkommen mit Thailand beauftragt.

Das iPhone, im Gegensatz zur Banane, verfügt über eine sehr komplexe Wertschöpfungskette, weil es Hunderte von Komponenten aus verschiedenen Ländern beinhaltet. Werden die zahlreichen Rohstoffe, die es für die Herstellung eines iPhones braucht (wie etwa Kobalt, Palladium oder Wolfram), berücksichtigt, steigt die Anzahl involvierter Länder schnell in den zweistelligen Bereich. So hat Apple im Jahr 2018 mehr als 1000 Lieferantenbeurteilungen in 45 Ländern durchgeführt. Das Freihandelsabkommen mit Thailand sieht vorerst keine Stärkung der Rechte an geistigem Eigentum für Medikamente und Saatgut vor, was aus entwicklungspolitischer Sicht eine gute Nachricht ist.

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Die Mär vom weitestgehend freien Handel

Eine Möglichkeit für die Schweiz besteht aber auch darin, sich an grosse Abkommen anzuschliessen. Auch die Einhaltung der technischen Normen hätte nur noch einmal überprüft werden müssen, und die Prüfung wäre danach für die Schweiz, die EU und die USA gültig gewesen. Gemäss Schätzungen hätte dies zu einem Wachstumsbeitrag zum Schweizer BIP von plus 2.9% geführt (WTI 2014). Seit 2008 wurden weltweit rund 15’000 handelshemmende Massnahmen implementiert, davon betreffen rund 3’000 auch die Schweiz. Dabei hat die grosse Mehrheit dieser neuen Massnahmen, nämlich rund 84%, einen nicht-tarifären Charakter.

  • Diese Entwicklung ist jedoch nicht etwa Ausdruck einer Deglobalisierungswelle nach der Finanz- und Wirtschaftskrise, denn absolut betrachtet steigt das weltweit grenzüberschreitende Handelsvolumen weiter an.
  • Auf der anderen Seite erwirtschaften wir einen grossen Teil unseres Wohlstands mit Exporten wie Präzisionsinstrumenten, Maschinen, Uhren, Medikamenten und Finanzdienstleistungen.
  • Die steigende Bedeutung von Dienstleistungen oder immateriellen Werten im Handel reflektiert somit den dominierenden Anteil des dritten Sektors in den wirtschaftlich weit entwickelten Ländern.
  • Aber auch die Hürden, die einem freien Handel im Wege stehen, sind nicht mehr von gleicher Natur.

Dienstleistungen und Direktinvestitionen gewinnen an Bedeutung

Das globale Zollniveau ist seit den 1990er Jahren stark gesunken, gleichzeitig gewinnen nicht-tarifäre Handelshemmnisse an Bedeutung. Dieser «Wandel im Handel» verlangt nicht arbivex ai erfahrungen nur Anpassungen der Schweizer Aussenwirtschaftspolitik; eine erfolgreiche Aussenwirtschaftspolitik muss zwingend durch inländische Reformen komplementiert werden. Die Schweiz verfügt heute mit 8500 Kontingenten pro Jahr über eine sehr restriktive Regelung zu den Drittstaatenkontingenten. Auch dadurch gelockert werden, dass Schweizer Hochschulabsolventen aus einem Drittstaat (ausserhalb EU/Efta) von den Kontingenten ausgenommen werden. Aufgrund der limitierten Anzahl an Kontingenten ist eine Anstellung auf dem Schweizer Arbeitsmarkt nach Studienabschluss allerdings nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

Für einen Arbeitgeber ist es sogar leichter, einen Absolventen aus dem EU/Efta-Raum zu rekrutieren, als einen Schweizer Hochschulabsolventen aus einem Drittstaat anzustellen (Ammann et al. 2018). Für die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft bedeutet dies, dass sie sich weiterhin auf den Abbau von Handelshemmnissen durch das Abschliessen neuer und die Vertiefung bestehender Handelsabkommen fokussieren sollte. Denn sie ist aufgrund ihres kleinen Binnenmarktes stark auf den Handel mit anderen Ländern angewiesen und die potenziellen Wohlfahrtsgewinne durch freien Handel sind besonders hoch. So liegt der Anteil des Handelsvolumens am BIP für die Schweiz beinahe bei 120%, während es für die USA nicht einmal 30% sind (Weltbank 2019b). Noch vor zehn Jahren verzeichnete eine Mehrheit der Länder über ein höheres Handelsvolumen mit den USA als mit China (inkl. Hongkong).

Der WTO angeschlossen haben – von 23 Ländern im Jahr 1947, als das GATT ins Leben gerufen wurde, auf 164 Länder in der 2011 gestarteten Doha-Runde (WTO 2007). Die Produktion von Gütern und Dienstleistungen wird in immer kleinere Arbeitsschritte zerlegt, die von unterschiedlichen Firmen und in unterschiedlichen Ländern ausgeführt werden. Die so entstehenden globalen Wertschöpfungsketten wurden insbesondere in den 1990er und 2000er Jahren zunehmend komplex (vgl. Box 3), wobei sich dieser Trend nach der Finanzkrise wieder etwas verlangsamte.

Auf der anderen Seite erwirtschaften wir einen grossen Teil unseres Wohlstands mit Exporten wie Präzisionsinstrumenten, Maschinen, Uhren, Medikamenten und Finanzdienstleistungen. Neben der verstärkten Integration in die globalen Wertschöpfungsketten hat in der Schweiz auch eine Verschiebung weg von der Herstellungsphase hin zur Konzeptions- und Vermarktungsphase stattgefunden. In diesen vor- und nachgelagerten Produktionsphasen wird in der Regel die höchste Wertschöpfung generiert (Lobsiger und Morlok 2014). Dieser Strukturwandel weg von traditionellen Tätigkeiten der Industrie, hin zu in der Wertschöpfungskette vor- und nachgelagerten Tätigkeiten geht meist auch mit höheren Qualifikationsanforderungen einher (Busch und Schluep Campo 2013, vgl. Box 4). Nicht alle der beschriebenen globalen Trends lassen sich in gleichem Ausmass für die Schweiz beobachten.

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